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Humboldt-Universität zu Berlin - Abteilung Sportsoziologie

Vereine und Verbände im Sport

Foto: (c) LSB NRW | Andrea Bowinkelmann

Nonprofit-Organisationen wie z.B. Vereine und Verbände bilden neben staatlichen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen die dritte wichtige Organisationsform in modernen Gesellschaften. Während sie lange Zeit eher als „hybride“ Organisationen im Übergang abgetan wurden, werden sie zunehmend als eine eigene bedeutende Kraft des sozialen Zusammenlebens und als zivilgesellschaftlicher Garant für Demokratie und Wohlfahrt gewürdigt. Speziell die Sportvereine und -verbände haben sich in Deutschland und Europa zu der mit Abstand größten Personenvereinigung mit dem höchsten Anteil bürgerschaftlich engagierter Personen entwickelt. In diesem Kontext forscht und berät die Abteilung Sportsoziologie zu Grundlagen, Veränderungen, Herausforderungen und Perspektiven von (Sport-)Vereinen als Nonprofit-Organisationen. 

Problemaufriss

Es war vor rund einem Jahrhundert Max Weber, der in seiner programmatischen Rede auf dem ersten deutschen Soziologentag im Jahr 1910 eine Soziologie des Vereinswesens als fundamentale Aufgabe der Soziologie verstanden wissen wollte. Allerdigns folgte die deutsche Soziologie Webers Forschungsanregungen nicht immer. Zu recht wird die mangelnde Relevanz des Vereins in den deutschen Sozialwissenschaften beklagt, die ihn in erster Linie mit Spießigkeit und Vereinsmeierei assoziierte – nach dem altbekannten Motto: In seinem Verein, da richtet man sich's gemütlich und behaglich ein.

Wie behaglich es in Deutschland dann eigentlich zugehen müsste, lassen aktuelle Schätzungen nur erahnen. Demnach sind derzeit zwischen knapp der Hälfte und fast zwei Dritteln der Bevölkerung Mitglied in rund 500.000 bis fast 700.000 Vereinen. Alleine die rund 90.000 Sportvereine unter dem Dach des DOSB zählen rund 30 Mio. Mitgliedschaften und einen Anteil von rund 11 Prozent der Bevölkerung, die sich in den Vereinen bürgerschaftlich engagiert. Allerdings ist es nicht die Behaglichkeit, sonder vielmehr das Ungehagen über längerfristige Entwicklungstendenzen in Deutschland, die in der gesellschaftspolitischen und sozialwissenschaftlichen Diskussion der letzten Jahr zu einem erheblichen Bedeutungsgewinn der assoziativen Lebenswelt beigetragen haben. Im Kern geht es dabei um zentrale Herausforderungen des Wohlfahrtsstaats, der Arbeitsgesellschaft und der Demokratie. Vereine und speziell auch die Sportvereine werden in all diesen Krisendiskursen als alternative Steuerungsressourcen zur Bewältigung dieser disparaten, zugleich aber wechselseitig aufeinander bezogenen Zukunftsaufgaben der Gesellschaft (wieder-)entdeckt.

Dieses Innovationspotenzial wird insbesondere mit der Multifunktionalität von Vereinen als Nonprofit-Organisationen begründet. Lange Zeit galt dies Multifunktionalität als eine maßgebliche Schwäche von Vereinen, da sie sich der Differenzierungslogik moderner Gesellschaften entzogen und den Geleitzug der Moderne verpasst hätten. Mittlerweile wird diese strukturelle Unbestimmtheit aber immer häufiger als Chance für gesellschaftliche Reformprozesse zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen betrachtet. Allerdings steht den hohen Erwartungen an das Vereinswesen bislang eine gravierendes Defizit in der sozialwissenschaftlichen Forschung in Deutschland gegenüber. Dieses Defizit zeigt sich an der wenig entwickelten Theorie über die Strukturbesonderheiten von Vereine als Nonprofit-Organisationen ebenso exemplarisch wie am mangelnden empirischen Datenmaterial. Vor diesem Diskussionshintergrund forscht und berät die Abteilung Sportsoziologie auf theoretischer und empirischer Ebene über Vereine und insbesondere Sportvereine als Nonprofit-Organisationen in der Gesellschaft.

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