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Humboldt-Universität zu Berlin - Abteilung Sportsoziologie

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Sportwissenschaft | Abteilung Sportsoziologie | Projekte | Alle Projekte | Ehrenamtliches und freiwilliges Engagement im Sport: Sportbezogene Sonderauswertung der „Freiwilligensurveys“ (FWS) im Querschnitt 2014 und 2019 und im Längsschnitt 1999-2019

Ehrenamtliches und freiwilliges Engagement im Sport: Sportbezogene Sonderauswertung der „Freiwilligensurveys“ (FWS) im Querschnitt 2014 und 2019 und im Längsschnitt 1999-2019

Projektdaten

Projektleitung: Prof. Dr. Sebastian Braun und Prof. Dr. Ulrike Burrmann 

Laufzeit: 10/2020 – 05/2022

Dieses Projekt wird mit Forschungsmitteln des Bundesinstituts für Sportwissenschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Kooperationspartner des Projekts ist der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB).

Projektbeschreibung

Sportbezogene Sonderauswertung der FWS

Problem- und Zielstellung

Ehrenamtliches und freiwilliges Engagement bildet ein Basiselement von Sportvereinen, um Leistungen von Mitgliedern für Mitglieder und ggf. auch Nicht-Mitglieder zu erstellen. Dazu gehören individuelle Zeit- und Wissensspenden in formalisierten Funktionen wie z.B. im Vereinsvorstand oder Trainingsbetrieb wie auch in informelleren Formaten wie z.B. bei Vereinsfesten oder der Betreuung von Sportgruppen. In der Praxis wird jedoch seit langem die Gewinnung und Bindung von Mitgliedern, die sich ehrenamtlich und freiwillig engagieren, als ein zentrales Problem der Vereinsarbeit beschrieben (zusammenfassend Braun, 2017a, 2017b; Breuer & Feiler, 2019; international: Perck, van Hoecke, Westerbeek & Breesch, 2016; van der Roest, van Kalmthout & Meijs, 2016; Breuer, 2019).

Die leitende Zielstellung des Forschungsvorhabens besteht darin, das freiwillige und ehrenamtliche Engagement in sportbezogenen Strukturen der Zivilgesellschaft – vor allem in Sportvereinen, aber auch in selbstorganisierten Initiativen – auf Basis einer empirischen Sekundäranalyse der bundesweit repräsentativ angelegten Freiwilligensurveys (FWS) im Querschnitt (2014, 2019) und im Längsschnitt (1999-2019) zu beschreiben und theoriegeleitet zu interpretieren.

Da die Daten für den FWS 2019 vor der aktuellen „Corona-Krise“ erhoben wurden, wird das Projekt um die bedeutsame Perspektive auf relevante Folgen der „Corona-Krise“ für das ehrenamtliche und freiwillige Engagement im Sport(verein) erweitert, indem eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durchgeführt wird. Diese Befragung soll im Jahr 2021 Umfang und Struktur des ehrenamtlichen und freiwilligen Engagements im Sportbereich und speziell in den Sportvereinen aktuell empirisch erfassen und abbilden.

Methode

Die entsprechende Datenerhebung der durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten FWS erfolgte für die drei ersten Erhebungen in 1999, 2004 und 2009 durch TNS Infratest Sozialforschung, München (u.a. Gensicke & Geiss, 2010); die FWS 2014 und 2019 wurden bzw. werden durch das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) geleitet und die Datenerhebungen von infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft durchgeführt (vgl. u.a. Simonson, Vogel & Tesch-Römer, 2017). Die repräsentativen Daten werden über standardisierte Telefonbefragungen erhoben und gestatten detaillierte Analysen u.a. zum Sportbereich, zu Bevölkerungsgruppen (z.B. Jugendliche, Ältere, Frauen, Personen mit Migrationshintergrund) und Regionen (z.B. Bundesland, Stadt-Land).

Vor diesem Hintergrund wird in der sportbezogenen Sonderauswertung der FWS – in Anlehnung an das „Volunteer Process Model“ (Wilson, 2012; Omoto & Snyder, 2002) und in Orientierung an dem Modell von Penner (2002) zu „causes of sustained volunteerism“ – auf eine soziologisch und psychologisch grundierte Konzeption des Freiwilligenengagements rekurriert, die auf pragmatische Weise dazu beitragen soll, die abgefragten Themenbereiche und Variablen der FWS zu strukturieren, einzuordnen und die eigenen empirischen Analysen anzuleiten. Dabei werden einerseits deskriptive Statistiken berechnet, die einen Ergebnisüberblick liefern, und anschließend Hypothesen mittels inferenzstatistischer Verfahren überprüft. Bevor Zeitreihenanalysen berechnet werden, wird eine theoretisch-methodische Reflexion der Daten vorgenommen, da ab 2014 einige Fragen und Antwortmöglichkeiten modifiziert wurden.

Ergebnisverwertung

Die Befunde der sportbezogenen Sonderauswertung der FWS werden abschließend fachwissenschaftlich diskutiert sowie fachpolitisch eingeordnet und bewertet. Auf dieser Grundlage sollen u.a. Herausforderungen und Handlungsoptionen für Sportverbände und -vereine sowie Sport- und Engagementpolitik identifiziert werden. Dabei soll an Erfahrungen und Erkenntnisse aus Arbeiten zu bisherigen sportbezogenen Sonderauswertungen des FWS (z.B. Braun, 2017b) und sportvereinsbezogener Engagementforschung allgemein (z.B. Baur & Burrmann, 2003; Baur, Burrmann & Nagel, 2003; Braun, 2013, 2014, 2018; Burrmann, Braun & Mutz, 2019, 2020; Mutz, Burrmann & Braun, 2020) angeknüpft werden.

"Corona-Krise": Repräsentative Bevölkerungsbefragung zum ehrenamtlichen und freiwilligen Engagement im Sport im Jahr 2021

Die aktuellen Daten für den FWS 2019 wurden vor der aktuellen „Corona-Krise“ erhoben. Zwar sind gesellschaftliche Strukturen persistent, so dass die Befunde des FWS 2019 und vor allem auch die Zeitreihenvergleiche nach wie vor bedeutsame Aussagen über Stand und Veränderungen des Engagements u.a. im Sportbereich und speziell auch in Sportvereinen erlauben. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass gesundheitliche, ökonomische, soziale und kulturelle Folgen der "Corona-Krise" auch das ehrenamtliche und freiwillige Engagement in der Gesellschaft und speziell auch in Sport(vereinen) beeinflussen werden.

Vor diesem Hintergrund soll die sportbezogene Sonderauswertung der FWS um eine repräsentative Bevölkerungsbefragung ergänzt werden. Diese Befragung soll – nach den gegenwärtig zu erwartenden Lockerungen im Feld der Sportpraxis – mit einem relevanten zeitlichen Abstand im Jahr 2021 Umfang und Struktur des ehrenamtlichen und freiwilligen Engagements im Sportbereich und speziell in den Sportvereinen dann ganz aktuell empirisch erfassen und abbilden. Auf der neu gewonnenen Datengrundlage können dann empirisch belastbare Aussagen über das freiwillige und ehrenamtliche Engagement nach den fundamentalen Einschnitten in der Sport(vereins)praxis im Jahr 2020 getroffen werden.

Darüber hinaus sollen Vergleiche mit den Daten des FWS 2019 angestellt und – mit der gebotenen Vorsicht bei zwei unterschiedlichen Stichproben – Tendenzen zwischen den Erhebungen im Jahr 2019 und im Jahr 2021 herausgearbeitet werden. Damit sollen auch Anhaltspunkte gewonnen werden, inwieweit die Daten des FWS für aktuelle Handlungsempfehlungen in der Zeit nach der „Corona-Krise“ herangezogen werden können. Vor diesem empirischen Hintergrund können dann wiederum grundlegende inhaltliche Herausforderungen von Sportverbänden und Sportpolitik erörtert werden, um engagementförderliche und -politische Rahmenbedingungen in der und nach der „Corona-Krise“ zu diskutieren.

Literatur

Baur, J. & Burrmann, U. (2003). Engagierte oder desengagierte Sportvereinsjugend? Vereinspolitische Partizipation und freiwilliges Engagement von Jugendlichen in Sportvereinen. In J. Baur & S. Braun (Hrsg.), Integrationsleistungen von Sportvereinen als Freiwilligenorganisationen (S. 584-633). Aachen: Meyer & Meyer.

Baur, J., Burrmann, U. & Nagel, M. (2003b). Solidargemeinschaftliche Kleinvereine? Zum Einfluss vereinsstruktureller Merkmale auf Mitgliederbindung, vereinspolitische Partizipation und freiwilliges Engagement. In J. Baur & S. Braun (Hrsg.), Integrationsleistungen von Sportvereinen als Freiwilligenorganisationen (S. 303-330). Aachen: Meyer & Meyer.

Braun, S. (2018). Engagement im Sportverein – strukturelle Veränderungen in der pluralisierten Sport- und Bewegungskultur. Vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, 58(3), 5-14.

Braun, S. (2017a). Engagement und Engagement-Management im Sportverein: von Problem- zu Potenzial-Diskursen. In L. Thieme (Hrsg.), Der Sportverein. Versuch einer Bilanz (S. 173-204). Schorndorf: Hofmann.

Braun, Sebastian (2017b). Ehrenamtliches und freiwilliges Engagement im Sport im Spiegel der Freiwilligensurveys von 1999 bis 2009. Zusammenfassung der sportbezogenen Sonderauswertungen (2. Auflage). Bonn: Bundesinstitut für Sportwissenschaft.

Braun, S. (2014). Engagementforschung im vereins- und verbandsorganisierten Sport – Themen, Ergebnisse und Herausforderungen. In A. Zimmer & R. Simsa (Hrsg.), Forschung zu Zivilgesellschaft, NPOs und Engagement. Quo vadis? (S. 133-148). Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Braun, S. (Hrsg.) (2013). Der Deutsche Olympische Sportbund in der Zivilgesellschaft. Eine sozialwissenschaftliche Analyse zur sportbezogenen Engagementpolitik. Wiesbaden: Springer VS.

Breuer, C. & Feiler, S. (2019). Sportvereine in Deutschland: Organisationen und Personen. Sportentwicklungsbericht für Deutschland 2017/2018 - Teil 1. Bonn: Bundesinstitut für Sportwissenschaft.

Burrmann, U., Braun, S. & Mutz, M. (2020). In Whom Do We Trust? The Level and Radius of Social Trust among Sport Club Members. International Review for the Sociology of Sport, 55(4), 416-436.

Burrmann, U., Braun, Sebastian & Mutz, Michael (2019). Playing together or bowling alone? Social capital-related attitudes of sports club members and non-members in Germany in 2001 and 2018. European Journal for Sport and Society, 16(2), 164-186.     

Mutz,  M.,  Burrmann,  U.  &  Braun,  S.  (2020).  Speaking  acquaintances  or helpers   in   need:   Participation   in   civic   associations   and   individual   social   capital. VOLUNTAS: International Journal of Voluntary and Nonprofit Organizations. doi: 10.1007/s11266-020-00274-x

Omoto, A. M. & Snyder, M. (2002). Considerations of Community. American Behavioral Scientist, 45, 846-867.

Penner, L. A. (2002). Dispositional and Organizational Influences on Sustained Volunteerism: An Interactionist Perspective. Journal of Social Issues, 58, 447-467.

Perck, J., Van Hoecke, J., Westerbeek, H. & Breesch, D. (2016). Organisational change in local sport clubs: the case of Flemish gymnastics clubs. Sport, Business and Management, 6, 158-181.

Simonson, J., Vogel, C. & Tesch-Römer, C. (Hrsg.). (2017). Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. Wiesbaden: Springer VS.

Van der Roest, J.-W., van Kalmthout, J. & Meijs, L. (2016). A consumerist turn in Dutch voluntary sport associations? European Journal for Sport and Society, 13, 1-18.

Wilson, J. (2012). Volunteerism Research: A Review Essay. Nonprofit and Voluntary Sector Quarterly, 41, 176-212.