Humboldt-Universität zu Berlin - Abteilung Sportsoziologie

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Ehrenamtliches und freiwilliges Engagement im Sport: Sportbezogene Sonderauswertung der „Deutschen Freiwilligensurveys“ (FWS) von 2014 bis 2019

Projektdaten

Projektteam: Prof. Dr. Sebastian Braun und Prof. Dr. Ulrike Burrmann (beide Projektleitung), Dr. Stephan Sielschott (wissenschaftlicher Mitarbeiter)

Laufzeit: 10/2020 – 05/2022

Dieses Projekt wird mit Forschungsmitteln des Bundesinstituts für Sportwissenschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Kooperationspartner des Projekts ist der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB).

 

Projektbeschreibung

Sportbezogene Sonderauswertung der FWS

Problem- und Zielstellung

Ehrenamtliches und freiwilliges Engagement bildet ein Basiselement von Sportvereinen, um Leistungen von Mitgliedern für Mitglieder und ggf. auch Nicht-Mitglieder zu erstellen. Dazu gehören individuelle Zeit- und Wissensspenden in formalisierten Funktionen wie z.B. im Vereinsvorstand oder Trainingsbetrieb wie auch in informelleren Formaten wie z.B. bei Vereinsfesten oder der Betreuung von Sportgruppen. In der Praxis wird jedoch seit langem die Gewinnung und Bindung von Mitgliedern, die sich ehrenamtlich und freiwillig engagieren, als ein zentrales Problem der Vereinsarbeit beschrieben (zusammenfassend Braun, 2017a, 2017b; Breuer & Feiler, 2019; international: Perck, van Hoecke, Westerbeek & Breesch, 2016; van der Roest, van Kalmthout & Meijs, 2016; Breuer, 2019).

Die leitende Zielstellung des Forschungsvorhabens besteht darin, das freiwillige und ehrenamtliche Engagement in sportbezogenen Strukturen der Zivilgesellschaft – vor allem in Sportvereinen, aber auch in selbstorganisierten Initiativen – auf Basis einer empirischen Sekundäranalyse der bundesweit repräsentativ angelegten Freiwilligensurveys (FWS) von 2014 und 2019 zu beschreiben und zu interpretieren.

Methode

Die entsprechende Datenerhebung der durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten FWS erfolgte für die drei ersten Erhebungen in 1999, 2004 und 2009 durch TNS Infratest Sozialforschung, München (u.a. Gensicke & Geiss, 2010); die FWS 2014 und 2019 wurden durch das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) geleitet und die Datenerhebungen von infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft durchgeführt (vgl. u.a. Simonson, Vogel & Tesch-Römer, 2017). Die repräsentativen Daten wurden über standardisierte Telefonbefragungen erhoben und gestatten detaillierte Analysen u.a. zum Sportbereich, zu Bevölkerungsgruppen (z.B. Jugendliche, Ältere, Frauen, Personen mit Migrationshintergrund) und Regionen (z.B. Bundesland, Stadt-Land).

Grundlegende Fragestellungen für die Datenauswertung sind u.a. folgende: In welchem Umfang engagieren sich Personen freiwillig im Sportbereich und wie verändert sich die entsprechende Engagementquote zwischen den Jahren 2014 und 2019? Welche Bevölkerungsgruppen engagieren sich besonders häufig oder besonders selten im Sportbereich? Aus welcher Motivation heraus engagieren sie sich? Inwieweit werden von den Engagierten Leitungs- und Vorstandsfunktionen übernommen? Inwieweit signalisieren diejenigen, die im Sportbereich aktiv sind, sich aber nicht freiwillig engagieren, eine grundsätzliche Bereitschaft, entsprechende Tätigkeiten wahrnehmen zu wollen?

Ergebnisverwertung

Die Befunde der sportbezogenen Sonderauswertung der FWS werden fachwissenschaftlich diskutiert sowie fachpolitisch eingeordnet und bewertet. Auf dieser Grundlage sollen u.a. Herausforderungen und Handlungsoptionen für Sportverbände und -vereine sowie Sport- und Engagementpolitik identifiziert werden. Dabei soll an Erfahrungen und Erkenntnisse aus Arbeiten zu bisherigen sportbezogenen Sonderauswertungen des FWS (z.B. Braun, 2017b) und sportvereinsbezogener Engagementforschung allgemein (z.B. Baur & Burrmann, 2003; Baur, Burrmann & Nagel, 2003; Braun, 2013, 2014, 2017a, 2018; Burrmann, Braun & Mutz, 2019, 2020; Mutz, Burrmann & Braun, 2020) angeknüpft werden.

Ehrenamtlichkeit im Sportverein während der Corona-Pandemie (EiS-CP)

Die aktuellen Daten für den FWS 2019 wurden vor der aktuellen „Corona-Krise“ erhoben. Zwar sind gesellschaftliche Strukturen persistent, so dass die Befunde des FWS 2019 und vor allem auch die Zeitreihenvergleiche nach wie vor bedeutsame Aussagen über Stand und Veränderungen des Engagements u.a. im Sportbereich und speziell auch in Sportvereinen erlauben. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass gesundheitliche, ökonomische, soziale und kulturelle Folgen der "Corona-Krise" auch das ehrenamtliche und freiwillige Engagement in der Gesellschaft und speziell auch in Sport(vereinen) beeinflussen werden. Vor diesem Hintergrund wird die sportbezogene Sonderauswertung der FWS um eine Bevölkerungsbefragung in Deutschland zur "Ehrenamtlichkeit im Sportverein während der Corona-Pandemie" (EiS-CP) ergänzt.

Literatur

Baur, J. & Burrmann, U. (2003). Engagierte oder desengagierte Sportvereinsjugend? Vereinspolitische Partizipation und freiwilliges Engagement von Jugendlichen in Sportvereinen. In J. Baur & S. Braun (Hrsg.), Integrationsleistungen von Sportvereinen als Freiwilligenorganisationen (S. 584-633). Aachen: Meyer & Meyer.

Baur, J., Burrmann, U. & Nagel, M. (2003). Solidargemeinschaftliche Kleinvereine? Zum Einfluss vereinsstruktureller Merkmale auf Mitgliederbindung, vereinspolitische Partizipation und freiwilliges Engagement. In J. Baur & S. Braun (Hrsg.), Integrationsleistungen von Sportvereinen als Freiwilligenorganisationen (S. 303-330). Aachen: Meyer & Meyer.

Braun, S. (2018). Engagement im Sportverein – strukturelle Veränderungen in der pluralisierten Sport- und Bewegungskultur. Vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, 58(3), 5-14.

Braun, S. (2017a). Engagement und Engagement-Management im Sportverein: von Problem- zu Potenzial-Diskursen. In L. Thieme (Hrsg.), Der Sportverein. Versuch einer Bilanz (S. 173-204). Schorndorf: Hofmann.

Braun, Sebastian (2017b). Ehrenamtliches und freiwilliges Engagement im Sport im Spiegel der Freiwilligensurveys von 1999 bis 2009. Zusammenfassung der sportbezogenen Sonderauswertungen (2. Auflage). Bonn: Bundesinstitut für Sportwissenschaft.

Braun, S. (2014). Engagementforschung im vereins- und verbandsorganisierten Sport – Themen, Ergebnisse und Herausforderungen. In A. Zimmer & R. Simsa (Hrsg.), Forschung zu Zivilgesellschaft, NPOs und Engagement. Quo vadis? (S. 133-148). Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Braun, S. (Hrsg.) (2013). Der Deutsche Olympische Sportbund in der Zivilgesellschaft. Eine sozialwissenschaftliche Analyse zur sportbezogenen Engagementpolitik. Wiesbaden: Springer VS.

Breuer, C. & Feiler, S. (2019). Sportvereine in Deutschland: Organisationen und Personen. Sportentwicklungsbericht für Deutschland 2017/2018 - Teil 1. Bonn: Bundesinstitut für Sportwissenschaft.

Burrmann, U., Braun, S. & Mutz, M. (2020). In Whom Do We Trust? The Level and Radius of Social Trust among Sport Club Members. International Review for the Sociology of Sport, 55(4), 416-436.

Burrmann, U., Braun, Sebastian & Mutz, Michael (2019). Playing together or bowling alone? Social capital-related attitudes of sports club members and non-members in Germany in 2001 and 2018. European Journal for Sport and Society, 16(2), 164-186.     

Mutz,  M.,  Burrmann,  U.  &  Braun,  S.  (2020).  Speaking  acquaintances  or helpers   in   need:   Participation   in   civic   associations   and   individual   social   capital. VOLUNTAS: International Journal of Voluntary and Nonprofit Organizations. doi: 10.1007/s11266-020-00274-x

Perck, J., Van Hoecke, J., Westerbeek, H. & Breesch, D. (2016). Organisational change in local sport clubs: the case of Flemish gymnastics clubs. Sport, Business and Management, 6, 158-181.

Simonson, J., Vogel, C. & Tesch-Römer, C. (Hrsg.). (2017). Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. Wiesbaden: Springer VS.

Van der Roest, J.-W., van Kalmthout, J. & Meijs, L. (2016). A consumerist turn in Dutch voluntary sport associations? European Journal for Sport and Society, 13, 1-18.

Wilson, J. (2012). Volunteerism Research: A Review Essay. Nonprofit and Voluntary Sector Quarterly, 41, 176-212.