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▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Abteilung Trainings- und Bewegungswissenschaften

Biomechanik der Bewegung und Gesundheit

 

Leitung: Prof. Dr. Kirsten Legerlotz

Doktoranden: Elena Bey, Goran Radovanovic, Willi Rinke, Carolin Schulz

 

Unsere Forschungsgruppe befasst sich mit der Ätiologie, Behandlung und Prävention von Verletzungen mit besonderem Interesse an hormonellen Einflüssen und der Adaptation von Sehnengewebe.

Konkrete Beispiele für laufende oder abgeschlossene Forschungsarbeiten sind im Folgenden aufgelistet:

  1. Schwankungen des Verletzungsrisikos während des Menstruationszyklus: Da Risse des vorderen Kreuzbandes häufiger während bestimmter Phasen im Menstruationszyklus auftreten, war es unser Ziel den Mechanismus hinter dieser unregelmäßigen Verteilung zu finden. Dafür haben wir posturale Kontrolle als bekannten Risikofaktor sowie andere Variablen analysiert, welche vermutlich einen Einfluss auf posturale Kontrolle haben, wie Propriozeption und Flüssigkeitsretention. (veröffentlicht)
  2. Verletzungsrisiko in der Schwangerschaft (Doktorarbeit in Bearbeitung: Elena Bey, drittes Jahr): Es wird häufig behauptet, dass das Verletzungsrisiko schwangerer Frauen erhöht sei, da hormonelle Einflüsse Bindegewebe vermeintlich nachgiebiger machen. Da diese Behauptung jedoch nie untersucht wurde, haben wir versucht Veränderungen in der Sehnensteifigkeit und Muskelstruktur während der Schwangerschaft ausfindig zu machen. Da auch vermutet wird, dass das Sturzrisiko in der Schwangerschaft höher ist, haben wir außerdem die Einflüsse von Schwangerschaft auf die posturale Kontrolle untersucht und ob ein Schwangerschafts-Stützgürtel geeignet ist, um die Balance zu verbessern. Darüber hinaus haben wir Daten über Stürze und körperliche Aktivität während der Schwangerschaft gesammelt.
    Abb.: Elena Bey
    Abb. Der Effekt von Schwangerschafts-Stützgürteln (linkes Bild) auf posturale Kontrolle bei schwangeren und nicht-schwangeren Frauen. Das Diagramm zeigt eine geringere Leistung beim Balance-Test, dargestellt durch gesteigerte Grenzwerte von Stabilität bei schwangeren Frauen, während der Schwangerschafts-Stützgürtel die Leistung leicht verbessert.
  3. Optimierung der Behandlung von Tendinopathien der Achillessehne (Doktorarbeit in Bearbeitung: Goran Radovanovic, zweites Jahr): Tendinopathien der Achillessehne tauchen vor allem bei Läufern häufig auf und sind schwer zu behandeln. Diese Längsschnittstudie vergleicht zwei verschiedene Konzepte von Bewegungstherapien mit der alleinigen physiotherapeutischen Behandlung. Dabei werden die Effekte auf die mechanischen Sehneneigenschaften, Vaskularisation, Funktionalität, Interleukin 6 Plasma Level und Schmerz untersucht.
  4. Prävention von Tendinopathien der Patellarsehne (Doktorarbeit in Bearbeitung: Willi Rinke, zweites Jahr): Während Tendinopathien der Achillessehne hauptsächlich bei Männern mittleren Alters auftreten, tauchen Tendinopathien der Patellarsehne, auch Jumpers Knee genannt, schon im jugendlichen Alter auf. Dieses Projekt untersucht die Gesundheit und Funktionalität von Patellarsehnen jugendlicher Sportler. Dabei wird versucht Risikofaktoren zu identifizieren und Präventionsstrategien zu bewerten.
  5. Schulterschmerzen (Doktorarbeit in Bearbeitung: Carolin Schulz, erstes Jahr): Chronische Schulterschmerzen sind sowohl bei älteren Personen als auch bei Sportlern aus Überkopfspotarten sehr verbreitet. Dieses Projekt untersucht Faktoren, welche in Zusammenhang mit chronischen Schulterschmerzen stehen (z.B. Bewegungsradius, Adduktor-Abduktor-Kräfteverhältnis, subacromialer Raum), um Vorgaben für neue Konzepte von Bewegungstherapien zu entwickeln.
  6. Achillessehnenrupturheilung (kleines Kooperationsprojekt in Bearbeitung, Dr. Alison Agres): Ein ausgeprägter Verlust von Funktionalität ist ein verbreiteter Nebeneffekt von Operationen von Achillessehnenrupturen. Dieses Projekt versucht Biomarker zu finden, welche die Ergebnisse der Langzeitheilung nach operativer Achillessehnenreparatur vorhersagen können.

 

Diagnostik von Schulter- und Ellenbogenbeschwerden bei ÜberkopfsportlerInnen

 

ÜberkopfsportlerInnen haben aufgrund repetitiver Wurf- und Schlagbewegungen ein hohes Risiko zur Entwicklung von Schulter- und Ellenbogenbeschwerden. Der englische KJOC Score (Kerlan - Jobe Orthopaedic Clinic Shoulder and Elbow Score) von Alberta et al. (2010) ist der erste valide und reliable Fragebogen zur patientenbezogenen Erfassung der Funktionsfähigkeit und Identifizierung von Einschränkungen bei Schulter- und Ellenbogenverletzungen von ÜberkopfsportlerInnen. Ziel unserer Studie war daher die Übersetzung und transkulturelle Adaption des KJOC Score ins Deutsche. Weiterhin wurden die Reliabilität und Validität anhand von 152 deutschsprachigen ÜberkopfsportlerInnen evaluiert.

 

  • Reliabilität: Die interne Konsistenz des KJOC-G ist exzellent bei homogenen Items (Cronbachs Alpha: 0.930) und die Test-Retest-Reliabilität ist bei neun von zehn Items exzellent (ICC 0.858 - 0.921, Item 5: 0.508).

 

  • Validität: Die Konstruktvalidität zeigt sich durch signifikante Korrelationen mit dem DASH-Score (Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand) (r= -0.513) sowie dem DASH-Sportmodul (r= -0.542).

 

  • Machbarkeit: Die durchschnittliche Zeit zum Ausfüllen des Fragebogens betrug 5:32 ± 2:03 min.

 

Der KJOC-G kann von medizinischem Fachpersonal und TrainerInnen zur Identifikation funktioneller Einschränkungen, Evaluation therapeutischer und rehabilitativer Interventionen sowie zu Return-to-sport/competition-Beurteilungen bei Schulter- und Ellenbogenverletzungen von ÜberkopfsportlerInnen angewendet werden.

 

Fragebogen: KJOC-G

 

 

 

Ausgewählte Publikationen

Bey M.E., Arampatzis A., Legerlotz K. (under review): The effect of a maternity support belt on static stability and posture in pregnant and non-pregnant women, Journal of Biomechanics

Legerlotz K. (2018): The Effects of Resistance Training on Health of Children and Adolescents. American Journal of Lifestyle Medicine, invited review, accepted

Legerlotz K., Bey M.E., Götz S., Böhlke N. (2018): Constant performance in balance and proprioception tests across the menstrual cycle – a pilot study in well trained female ice hockey players on hormonal contraception. Health Sci Rep,1(1):e18

Legerlotz K., Marzilger R., Bohm S., Arampatzis A. (2016)  Physiological Adaptations following Resistance Training in Youth Athletes - A Narrative Review. Pediatr Exerc Sci.  5:1-39